[Zurück zu unserer Startseite] [Startseite "Dintenfas"]
Coburg aus dem "Dintenfas":
Ferdinand
Adam von Pernau (1660-1731) - Geheimrat, Übersetzer und Naturbeobachter
Von
Pernau ist kein Porträt überliefert. 1680, als Pernau als "Daphnis III." von Siegmund von Birken
in den "Pegnesischen Blumenorden" aufgenommen wurde, wurde er so
beschrieben:
"Er ist ein Herr von 20 Jahren, nicht allein sehr erfahren in Philosophicis, auch Lateinischer, Französischer und Welscher Sprach, sondern schlägt eine treffliche Lauthe und schreibt ein sehr schön teutsches gedicht; hat auch einen großen französischen Roman unter Handen, den er ins Teutsche übersetzt."

Schloss
Rosenau um 1700. Hier lebte Pernau. Zeichnung von H. Ott. LBC, Ze 226 (1966), S.
42.
Nach
Studien in Altdorf, Tätigkeiten als Hofbeamter in Sulzbach und Reisen nach
Italien, Frankreich und Holland, arbeitete Pernau ab 1691 in Coburg. Im Rahmen
seiner Tätigkeiten, u.a. war er Geheimer Rat, entstanden kleinere Schriften,
wie z.B. 1712 eine - pietistische - Schrift über das "abscheuliche Laster
des Saufens und der Trunckenheit", und 1722 eine Bettelordnung. Wie sein
Zeitgenosse und Berufskollege Georg Paul Hönn, war Pernau Nachkomme von
Exilanten, die wegen ihres evangelischen Glaubens aus Österreich vertrieben
wurden. Mit Georg Paul Hönn und Conrad Scheres gen. Zieritz gehörte Pernau zu
den Pietisten in Coburg. Wie andere Mitglieder von Sprachgesellschaften war auch
Pernau als Übersetzer tätig.
Übersetzungen:
Almahide
oder Leibeigene Königin:
Madeleine de Scudéry (1607-1701) war eine außerordentlich erfolgreiche und populäre Romanautorin des Barock. Sie schrieb sehr umfangreiche pseudohistorische Romane und führte in Paris seit 1653 einen literarischen Salon. 1660 bis 1663 wurde der heroisch-galante Roman "Almahide où l'esclave reine" in acht Bänden veröffentlicht.

Die
Übersetzung durch Pernau erschien in drei Bänden 1682, 1685 und 1696 in Nürnberg.
Der ursprünglich unvollendet gebliebene dritte Teil wurde von Pernau ergänzt
durch "allerhand Begebenheiten [...] die guten Freunden wirklich begegnet
sind, nichts hinzudichtend, als was zur Verdeckung der Personen nötig
war." "Almahide" ist ein typischer Barockroman: mit einer
Haupthandlung, mehreren Nebenhandlungen und einer Fülle von Figuren auf mehr
als 3.000 Seiten, die den Überblick schnell verlieren lässt.
Der ganze Kosmos menschlicher Leidenschaften und Verhaltensmuster wird ausgebreitet: Liebe, Hass, Zorn, Verrat, Ehre, Treue, Freundschaft, Selbstopfer (bis zum Selbstmord durch Verhungern), Ehrsucht, Mut. An erster Stelle aber stehen Liebe, Tugendhaftigkeit, Treue und Beständigkeit. Versetzt sind alle Erzählungen mit lehrhaften Sentenzen, die dem Leser dazu verhelfen sollen, richtiges von falschem Verhalten zu scheiden. Pernau gesteht ein, dass diese Liebesgeschichte mit "Erdichtungen ausgezieret" sei, trotzdem aber niemals die Geschichte der Almahide "den Chroniken zuwider laufft, sondern darinnen gegründet ist." Damit handelt Pernau völlig im Einklang mit der Auffassung des Barock, wonach das Figurenpersonal aus berühmten hohen Standespersonen bestehen muss, um die erhoffte Wirkung beim Leser zu errreichen.

Ein Sterndeuter prophezeit Almahides Mutter das Schicksal ihrer Tochter. Madeleine de Scudéry: Almahide [...], Bd. 1, 1682. LBC, Cas A 4175 (1).
Nicolas
Boileau-Despréaux (1636-1711):
Verschiedene
satirische Schriften:
Gemeinsam
mit seinem Bruder Johann Philipp Ferdinand übersetzte Pernau die
"Satiren" von Nicolas Boileau-Des-préaux. Diese Satiren erschienen in
Frankreich (zuerst anonym) seit 1666. Boileaux war ein sehr einflussreicher
Literat. Seine klassizistische Poetik stellte, unter Berufung auf die
griechische und römische Antike - Aristoteles und Horaz - Regeln für
literarische Gattungen auf. Durch Gottscheds Vermittlung fand Boileaus Poetik im
deutschen Sprachraum große Resonanz.
Die
Übersetzung erschien anonym unter dem Titel "Verschiedene Satirische
Schriften deß Hn. D. ** Aus dem Französischen in das Hochteutsche übersetzet
/ von / einem Liebhaber der / Poesie. Gedruckt im Jahr Christi / 1694." Das
Buch verzeichnet weder Drucker noch Verlagsort. Themen der Satiren sind die
verderbten Sitten in Paris (aber sicherlich nicht nur dort),
eine missglückte Einladung zum Essen, menschliche Dummheit, Snobismus,
Habgier, Eitelkeit des Adels. Wir finden Typensatiren und literarische Satiren.
Mag auch Caspar Abel (Goslar 1729 und 1732) die erste vollständige deutsche Übersetzung
der Satiren vorgelegt haben, so haben doch die Brüder Pernau offenkundig die
erste deutsche Übersetzung überhaupt geliefert.
Pernau,
der Ornithologe:
Ist
Ferdinand Adam Pernau auch für literarisch Interessierte kaum noch ein Begriff,
so ist er doch seit einigen Jahrzehnten bei Ornithologen als der
"eigentliche Begründer wissenschaftlich betriebener biologischer
Vogelforschung" bekannt.
1702 erschien in erster Auflage ein Buch mit dem Titel "Unterricht / Was mit dem lieblichen Geschöpff / denen / Vögeln / auch ausser den Fang / Nur durch die Ergründung / deren Eigenschafften / und Zahmmachung / oder anderer / Abrichtung / Man sich vor Lust und Zeit-Vertreib machen könne: gestellt; / durch den Hoch- und Wohlgebohrnen / Hn. / Herrn von P..... / Freyherrn / Anno 1702."

Pernau
betont, dass er alles, wovon er berichtet, selbst beobachtet hat. Damit und mit
dem Hinweis auf die pädagogische Bedeutung der Studien der realen - nicht der
idealisierten - Natur erweist er sich als Vertreter der Aufklärung, auch wenn
die pietistische Überzeugung die Grundlage seines Empfindens bleibt. Pernau
betrachtete die "Rückkehr zur Natur als Gegenwirkung gegen die von ihm
verdammten Eitelkeiten und Laster der Zeit". Pernau war davon überzeugt,
dass die Beobachtung der Natur ein sehr gutes Mittel für die Erziehung von
Kindern ist; er erhofft sich von der Anschauung der Natur eine befriedende
Wirkung auf die aggressiven und banalen Tendenzen
der Zeit: die "blutigen Kriege selbst" würden ebenso wie unsinnige
Vergnügungen - wie
"Fastnachtsspiele" - an Bedeutung verlieren. Ebenso wichtig ist für
ihn der Hinweis, dass diese "lieblichen Geschöpffe GOttes" den
Menschen Freude bringen können, ohne dass man sie tötet und damit setzt er
sich ab von der "Jagdleidenschaft" seiner Standesgenossen.
Edmund Frey
[Zurück zu unserer Startseite] [Startseite "Dintenfas"]
© 2006
Landesbibliothek Coburg, alle Rechte vorbehalten