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Lesungen im Dreier-Pack: Michael Lentz, Dorothea Dieckmann und John von Düffel:
Michael Lentz:

Der Autor am 29. April 2005 im Rathaus-Vorsaal.
Jochen Berger im "Coburger Tageblatt" vom 2. Mai 2005 zu der Lesung im Dreierpack:
"Welch' ein Programm der Kontraste. Der literarische Dreier-Pack auf der vorletzten Etappe des ehrgeizigen Festivals "Coburg liest" bringt den Zuhörern am Freitag die Begegnung mit höchst unterschiedlichen Stimmen der schreibenden Gegenwart. Im Rathaus und im großen Saal der angrenzenden Sparkasse sind mit Michael Lentz, Dorothea Dieckmann und John von Düffel drei Autoren von jeweils ganz eigenem Profil zu erleben. Der Abend - er beginnt als artistische Darbietung am literarischen Trapez und endet mit einem Familienepos, das in ruhigem Erzähltonfall daher kommt. ...
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Michael Lentz und Volkmar Henke (Moderator)
Zum Auftakt also Michael Lentz, der sich nicht bloß als lesender Autor präsentiert, sondern als virtuos agierender Vortrags-Künstler mit ausgeprägtem Hang zu kühler Selbstinszenierung. Seine elaborierten Satzkonstruktionen erweisen sich als verbale Katarakte, die nicht zuletzt eben von dieser Vortragskunst dessen profitieren, der sie schrieb. Denn Lentz, den Volkmar Henke (kundiger wie einfühlsamer Moderator der ersten beiden Lesungen dieses Abends) auch als ambitionierten Saxofonisten vorstellte, ist fraglos ein Autor, dem seine musikalische Begabung unüberhörbar zur Seite steht. Wenn Lentz liest, ist dies ein entschieden musikalischer Vortrag - ein Vortrag, der von Tempogefühl, Rhythmus und prägnanter Artikulation lebt. Seine Prosa ist sprachakrobatisch gefärbt, ohne sich freilich darin erschöpfen zu wollen. In seinem Roman-Erstling "Liebeserklärung", den Lentz vorstellte, dient Sprachakrobatik vielmehr als Mittel, um das unausweichliche Scheitern menschlicher Beziehungen darzustellen. ..."
Martin Droschke sah in der "Neuen Presse" vom 2. Mai 2005 "das Rathaus beben" bei der Lesung von Michael Lentz:
"... Lentz ist der zurzeit prominenteste Vertreter einer Traditionslinie, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts Sand ins Getriebe der Lesegewohnheiten schüttet. Seit seinem Durchbruch 2001, als er für die Erzählung "Muttersterben" den Ingeborg-Bachmann-Preis erhielt, spaltet er die literaturinteressierte Gemeinde. Während ihn Kritiker und Germanisten als "Urknall" feiern, klagt die Mehrheit der Laien, dass man seine Bücher nicht lesen kann. Zu kompliziert, zu abstrakt, zu abgehoben, zu anders. ... Lentz gilt zurecht als begnadeter Bühnenkünstler, weshalb man die von ihm selbst eingesprochene Hörbuch-Version der Print-Ausgabe (von "Liebeserklärung") unbedingt vorziehen sollte.... Das große Beben im Gemäuer des ehrwürdigen Hauses löste Mr. Wortgewalt erst aus, als er zum eigentlichen Kern seiner Arbeit kam, seiner an der Konkreten Poesie und ihren Vorläufern und Verwandten geschulten Lyrik. Lentz las Unveröffentlichtes zum Thema Liebe. Nein, er las nicht, er performte, skandierte. Er musizierte die auf Wiederholung basierenden, bewusst wortschatzarmen, metaphernfreien Gebilde wie Jazz-Nummern aus der BeBop-Ära ..."
Michael Lentz im Gästebuch:
"the goal is where you're
already" (John Cage)
I was not yet in Coburg,
am 29. April 05 aber war ich in Coburg,
und wo man einmal war, wos schön war, da ist man.
Herzlich und mit Dank, Michael Lentz
Michael Lentz schrieb am 27. Mai 2005 an "Coburg liest!":
Lieber Edmund Frey,
herzlichen Dank für die schöne Rückmeldung.
Die Fotos und die Besprechungen freuen mich sehr. ...
Es war mehr als angenehm in Coburg. Das in einer Stadt zu etablieren,
ist ein großes Verdienst - und das zahlreich erschienene Publikum
spricht ja für sich.
Herzliche Grüße aus Berlin, Ihr Michael Lentz

Die Autorin in der Halle der Sparkasse Coburg-Lichtenfels am Markt
Jochen Berger in seiner Besprechung der Lesungen im Dreier-Pack im "Coburger Tageblatt" vom 2. Mai 2005:
"... Dokumentarischer Journalismus auf literarischen Abwegen oder erzählerische Poesie, die sich an einem schwierigen Thema versucht - um diese Fragen dreht sich die kritische Diskussion nach dem Erscheinen von Dorothea Dieckmanns "Guantanamo" im vergangenen Jahr. Dieckmann, die im zweiten Teil des Abends im Saal der Sparkasse am Markt liest, beharrt jedenfalls im Gespräch mit Moderator und Publikum nachdrücklich darauf, ihr Buch als literarische Arbeit zu verstehen, die das US-Gefangenenlager Guantanamo gleichsam als Metapher verwende für die ganz allgemeine Frage von Gewalt, Isolation und Demütigung, die schließlich in vielerlei Variationen zu beobachten sei. ..."

Volkmar Henke (Moderator) und Dorothea Dieckmann
Nicole Eick resümmiert in der "Neuen Presse" vom 2. Mai 2005:
"Einen Ort, der sonst reger Bankgeschäftigkeit dient, verwandelte die zweite Lesung von "Coburg liest" am Freitagabend in einen Ort konzentrierter Stille. Dorothea Dieckmann, Schriftstellerin und Literaturkritikerin aus Freiburg, las aus ihrem 2004 erschienenen Roman "Guantanamo". Buchhändlerin Irmgard Clausen hieß eine breite interessierte Zuhörerschaft willkommen, und Volkmar Henke als Moderator beleuchtete die Facetten des Romans im Gespräch mit der Autorin. ... Der Ort: Das US-Gefangenenlager "Guantanamo", beliebig eigentlich, denn jedes andere Lager oder Gefängnis könnte ebenfalls als Kulisse dienen. Die Person, die Dieckmann in den Mittelpunkt stellt: ein junger Moslem namens Rashid, in Hamburg geboren, in Afghanistan festgenommen, nach Guantanamo gebracht. Ob er schuldig ist oder nicht, bleibt offen. Rashid jedenfalls ist der eigentliche Ort des Geschehens. Mit schier unerträglicher Genauigkeit berichtet die Autorin durch seine Augen, seine Ohren, seine Haut und seine Erinnerung, was geschieht. ... Trotz der Wellen von Gewalt, religiöser Erregung und undurchsichtiger Strafaktionen, die das Lager ständig durchlaufen, erzählt Dorothea Dieckmann unaufgeregt, nüchtern und eindringlich genau. Nur was in dem Menschen Rashid passiert, hat sie interessiert, erzählt sie nach der Lesung. ... Jeden Satz, jedes Wort habe sie mehrmals umgedreht, bis es genau saß, und so wundert es nicht, dass der Text den Zuhörer direkt und klar erreicht, ihn mitnimmt im Rhythmus des Sich-Wiederholenden und sogar poetisch wirkt. ..."

... im Rathaus-Vorsaal am 29. April 2005
Jochen Berger im "Coburger Tageblatt" vom 2. Mai 2005:
" ... Nach diesem schroffen Kontrast von Lentz zu Dieckmann rundete sich der Lesemarathon (nun moderiert von Anja Lenßen) vor Mitternacht mit John von Düffels Familienroman "Houwelandt". Aus der Sicht von vier Mitgliedern jener Familie und damit aus vier unterschiedlichen Blickwinkeln liest John von Düffel ausgewählte, bisweilen ironisch gewürzte Passagen aus seinem Prosawerk, das gewiss nicht das Lied einer verlogenen Idylle singen will und trotzdem von der Hoffnung auf Harmonie erzählt."
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John von Düffel und Anja Lenßen (Moderatorin) mit Jerry Senfluk an der Klarinette
Martin Droschke in der "Neuen Presse" vom 2. Mai 2005:
"... Es verwunderte nicht, dass sich John von Düffel von einer übereifrigen Lesart seines eigenen Werks distanzieren wollte, nachdem er als dritter Autor des Freitagsmarathons der 2. Coburger Literaturtage zu später Stunde daraus vorgetragen hatte. Denn die Begeisterung darüber, dass Blut heute wieder dicker als Wasser genannt werden darf, rutscht leicht ins Restaurative. Selbstverständlich, so der 1966 geborene Erfolgsautor, darf die Renaissance der Familienbande nicht als pauschales Rezept für eine heile Gesellschaft und schon gar nicht als Dogma verstanden werden. Auch wenn dies sehr verlockend erscheint. ... Eine Coburg-liest!-Station zuvor hatte Dorothea Dieckmann knallhart die Weltpolitik und ihre tagtägliche Missachtung elementarer Menschenrechte attackiert. Da war die Feier eines harmonischen Miteinanders und der lebenslangen Sicherheit, im privaten Gefüge gut aufgehoben zu sein, die Düffels Roman "Houwelandt" zelebriert, doppelt willkommen. ...
John von Düffel im Gästebuch:
Eine lange, lustvolle Nacht des Lesens!
© Fotos: Edmund Frey, 2005, alle Rechte vorbehalten
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