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Coburg aus dem "Dintenfas":

"Lieber 10 Höllen als 1 Himmel": Jean Paul in Coburg (1803-1804) 

Johann Paul Friedrich Richter, der sich später "Jean Paul" nannte, wurde 1763 in Wunsiedel geboren. Erster Erfolg als Schriftsteller mit "Die unsichtbare Loge" 1793. Karl Philipp Moritz zeigte sich begeistert: "Ach nein, das ist noch über Goethe, das ist was ganz Neues!", soll er gesagt haben. Durch seine Vermittlung fand das Buch rasch einen Verlag. Der Roman "Hesperus", der 1795 erschien, wurde ein großer Erfolg und machte Jean Paul berühmt. Herder, Wieland und Gleim äußerten sich enthusiastisch  - Goethe und Schiller fanden an dem Roman keinen Gefallen. Der "Titan" (1800-1803) war bereits erschienen, als Jean Paul mit seiner Familie von Meiningen nach Coburg umzog. Hier beendete er "Flegeljahre" und schrieb die "Vorschule der Ästhetik". 1804 siedelte er mit seiner Frau und seinen zwei Kindern nach Bayreuth um, wo er nach schwerer Krankheit 1825 verstarb.

Jean Paul. Lithographie von F. A. Fricke. Leipzig: Pönicke um 1825. LBC, GP A Paul 1.

Warum nach Coburg? 

Nach anderthalb Jahren in Meiningen schreibt Jean Paul am 3.11.1802 seinem Freund Christian Otto aus Meiningen nach Bayreuth: "Freitags fuhr ich nach Koburg [...]. Da nun die Gegend aus 4 oder 5 Eden zusammen[ge]bauet ist - die Stadt 100 Dinge hat, die hier fehlen - wenigstens einige Liebhaber der Philosophie und Kunst (z.B. Forberg) - da ich Sontags am Hofe dinierte und théeirte - die Herzogin (meine brünstigste Leserin) [...] so treflich fand und den Herzog so gut und die Grosfürstin so schön und alles so familienmässig und viele Weiber gebildet und den M[inister] Kretschmann als einen herlichen philosophischen recht geachteten Kopf (sas neben ihm bei Tafel; seine Physiognomie hat indes etwas von Gentz seiner, insofern sie das Zifferblatt des Herzens ist) und da ich abends bei ihm essen sollte (aber nicht konnte, weil mir so schlecht war, dass ich neben der Herzogin sizend und froh redend doch 5mal ungesehen ins Schnupftuch schwach spie) und der Bücher wegen und weil Meiningen ein Dorf dagegen ist und ich Euch und dem Biere näher bin: so zieh' ich im April entschieden nach Coburg." 

Jean Pauls Arbeitsort in Coburg: Das Gartenhaus auf dem Adamiberg. Radierung von Gertrud Plescher-Fahnler, Coburg, 1981. SSC, PLescher Adamiberg

Das Bier als poetischer Staatsakt: 

Jean Paul glaubte zu jeder Zeit an die heilende Kraft des Bieres. Nur so erklärt sich der beschwörende Ton im Brief an den "Herzog Franz von Koburg", in dem er detaillierte therapeutische Vorschläge zur Bekämpfung der Schlaflosigkeit macht: 

"Gnädigster Herzog,

[...] Wenn mir also der glükliche Erfolg die Freiheit zu einem volständigen Rathe ertheilt: so wäre der meinige dieser: am Morgen zum Es=Frühstück einige Gläser spanischen oder un-garischen Wein oder Bischof - Mittags zum Essen die leichtern französischen Weine - zwischen dem Diner und Souper das  stärkste  Bier - abends Thée mit Rak - zum Souper die ältern besten Rheinweine oder stat dieser nach dem Essen Puntsch, der Ihnen durch seine schweistreibende Kraft vorzüglich dienen wird. [...] Haben Ihro Durchlaucht sich nur einmal eine Woche lang in die Gewohnheit des Schlafes zurükgeholfen: so können Sie mit diesen Reizmitteln almählig absezen." 

Über die Befolgung dieses Maßnahmenkatalogs sind wir heute nicht mehr unterrichtet. So hanebüchen die Vorschläge klingen mögen, waren sie offenbar doch ernst gemeint: Bier, ein Allheilmittel in medizinischer und intellektueller Hinsicht.

 Im Haus in der Gymnasiumsgasse lebte Jean Paul mit seiner Familie.

Reinhard Heinritz/ Bearbeiter: Edmund Frey

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