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Coburg aus dem "Dintenfas":

Gelobtes "Itzipoli": Fürstenlob zwischen Michael Franck (1609-1667) und Christoph Dietrich von Böhlau (1707-1750) 

Michael Franck wurde im Jahr 1609 in Schleusingen geboren, machte in Coburg eine Bäckerlehre, heiratete und lebte als Meister in seinem Geburtsort. Vom Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogen, kehrte Franck nach Coburg zurück und schlug sich und seine Familie notdürftig durch. Nebenbei versuchte er sich als Autodidakt im Dichten und Komponieren. Aufgrund seiner musischen Begabung berief man ihn 1644 zum Lehrer an die Coburger Ratsschule. 1659 wurde er durch den berühmten Johannes Rist zum Kaiserlichen Poeten ernannt und mit weiteren hohen Ehren bedacht. J. S. Bach vertonte einen seiner Texte als Kantate ("Ach wie flüchtig, ach wie nichtig"). Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erinnert man sich an Franck als einen bedeutenden Dichter geistlicher Lieder; heute ist er wieder in Vergessenheit geraten.

Michael Franck. Kupferstich nach P. Troschel. STA Co, Bildslg. IV, 18/4.

Fürstenlob und Kasuallyrik: 

Die weltliche Lyrik  besteht im 16. und 17. Jahrhundert zum großen  Teil aus "Kasuallyrik". Damals war es durchaus üblich zu einem bestimmten Anlass zu dichten; die einzelnen Werke wurden keineswegs im heutigen eher negativen Sinn als "Gelegenheitsgedichte" abgetan, sondern als literarische Werke geschätzt. Neben Geburtstags-, Hochzeits- und Begräbnisgedichten an Privatpersonen fällt besonders die Vielzahl an Huldigungsgedichten an Fürsten oder andere bedeutende Personen auf. Diese  "Panegyrik", so der Fachbegriff, kann zweifellos der politischen Dichtung zugerechnet werden. 

Michael Franck verfasste ein Langgedicht mit dem Titel "Coburgisches Friedens=Danck=Fest" (1651). Dieser Text ist zuallererst Lob Gottes, denn der erreichte politische Friede wird, wie seinerzeit oft üblich, als Gnadenakt des weisen Weltenlenkers gedeutet. Franck geht dann zur Huldigung des damaligen Herzogs von Sachsen, dessen politische Mission ebenfalls aus dem göttlichen Willen abgeleitet wird,  in Form einer Fürbitte über.

Der Auftrag des Fürsten wird zuerst theologisch begründet und dann ins Politische gewendet; die Forderung gilt der Sicherheit angesichts der politischen und konfessionellen Wirren jener Zeit. Das ist Panegyrik nach allen Regeln der Kunst: Das Lobgedicht bringt eine Erwartungshaltung gegenüber dem Herrscher zum Ausdruck - und zwar dadurch, dass das Lob deutlich über das tatsächliche Verdienst hinausgeht. Einen Fürsten preisen heißt dann nichts anderes, als ihn moralisch in die Pflicht nehmen. Ein Hofdichter hatte die Lizenz eine solche Rolle zu spielen, d. h. sich auf Augenhöhe mit dem Fürsten zu begeben - immer unter der Voraussetzung, dass eine stabile politische Ordnung nur durch den Fürsten gewährleistet ist. Für Franck, den Bäckermeister und Autodidakten, sind solche Töne allerdings eine Kühnheit. 

Für anspruchsvolle panegyrische Literatur in Coburg steht im 17. Jahrhundert der Name Georg Eyssenwinner (1593-1668). Er war Sohn eines Coburger "Tuchscherers und Ratsältesten". Als Schüler am Casimirianum tat er sich in Disputationen hervor, später studierte er in Jena und wurde, nach etlichen Irrwegen und Rückschlägen, zum Pastor in Unterlauter bestellt. Mit seinem "Oratorium Coburgi Encomium" (1663) - einer Rede - schließt er an die ältere Tradition des Städtelobs an. Eyssenwinner bedient sich der lateinischen Sprache. Es handelt sich um ein überaus kunstvoll aufgebautes Werk, in dem alle Register der Rhetorik gezogen werden.

 

 Titelblatt zu Eyssenwinners Coburg-Huldigung 1663. LBC, Cas A 1144.

Ein weiterer Vertreter des panegyrischen Genres ist der Coburger Dichter Christoph Dietrich von Böhlau (1707-1750), der sich der Frühaufklärung zuordnen lässt. Im Jahr 1740 legte er einen Gedichtband mit dem Titel "Poetische Jugend=Früchte" vor. Der erste Teil der Sammlung enthält 43 Oden, die überwiegend Ereignisse des Coburger Hofes zum Thema haben. Franz Josias, unter dem der Dichter als Prinzenerzieher tätig war, wird mehrfach zum Adressaten lobender Anrede. In einem Geburtstagsgedicht für die "regierende Herrschaft" am 9.9.1735 wird der Ton emotionaler, die Me-taphorik kühner: "Es brennt demnach mein Blut von sehnlichem Verlangen, Die Blätter durch Dein Lob, o Hertzog! anzufangen [...]." Die folgende Gleichsetzung des Herzogs mit Odysseus erscheint uns heutigen Lesern doch reichlich unangemessen, um nicht zu sagen: zu "kriecherisch". Das mag damals jedoch anders gewirkt haben. 

Christoph Dietrich von Böhlau stammte aus einer verarmten Adelsfamilie, die sich die Ausbildung des Sohnes geradezu vom Munde absparen musste. Ein loser Lebenswandel schien ihn in große Not gebracht zu haben, doch Gönner streckten - so Böhlau - ihm die rettende Hand entgegen: zuerst Herzogin Henriette Charlotte von Merseburg, dann der Dichter D.W. Triller. Nach einer Europareise, einer "Cavalierstour" mit dem Erbprinzen Ernst Friedrich und dem Prinzen Christian Franz, zog von Böhlau 1748 wieder nach Coburg und wurde bald zum Geheimen Hofrat und Hofmarschall erhoben. Er starb 1750 im Alter von 43 Jahren.

 Christoph Dietrich von Böhlau, 1740. LBC, D IV 9/2.

Reinhard Heinritz/ Bearbeiter: Edmund Frey

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