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Coburg aus dem "Dintenfas":
Georg
Paul Hönn (1662-1747) zwischen Pietismus und Aufklärung
"Der
Welt Wagen und Pflug
Ist nur Lug und Betrug!"
Georg
Paul Hönn in der Vorrede zum "Betrugslexikon".
Die Vorfahren Georg Paul Hönns, 1662 in Nürnberg geboren, waren Glaubensflüchtlinge, die ihrer evangelischen Überzeugung wegen in der protestantischen Freien Reichsstadt Nürnberg Zuflucht fanden. Hönn, von dem kein Bildnis überliefert ist, wuchs in Coburg auf, wo sein Vater, Paul Hönn, geheimer Rat und Konsistorialpräsident wurde. Nach juristischen Studien in Altdorf, Groningen und anderen Städten in den Niederlanden, England, Frankreich und Italien (1678-1684) promovierte Hönn in Altdorf zum Dr. jur. und wurde kurze Zeit später in Coburg "Hofadvocat" und Archivar. Hönn machte als Verwaltungsbeamter Karriere und schied erst wegen "Schwachheit und Alter" 1739 als "gemeinschafftlicher Rath und Oberamtmann" aus dem Dienst aus. 1747 starb er in Coburg.

Coburger
Marktplatz um 1820. Hönn lebte im Globus-Haus auf der linken Seite neben dem
Stadthaus. Ausschnitt aus einer Lithographie nach einer Zeichnung von
Appenfelder. LBC, Kt D 187.
Werke:
Neben
juristischen Arbeiten veröffentlichte Hönn genealogische und historische
Werke, in denen er versuchte, die Akten des Coburger Archivs zu ordnen und zu
verzeichnen: "Sachsen-Coburgische Historia in zwei Bänden" von 1700
und "Topographisches Lexikon Franken" von 1747. Weitere Veröffentlichungen
Georg Paul Hönns sind das "Betrugs-Lexikon" (1721) sowie
"Besondere Nachricht [...]" (1736): Eine Sammlung
christlich-erbaulicher Texte aus dem Umfeld des Pegnesischen Blumenordens in Nürnberg.
Sachsen-Coburgische
Historia:
Die Sachsen-Coburgische Historia erschien 1700 in zwei Bänden. Im zweiten Band schreibt Hönn unter Zuhilfenahme überlieferter Chroniken und Urkunden eine "Coburger Geschichte" der letzten tausend Jahre bis 1680. Trotz mancher Fehler und Ungenauigkeiten war die Hönnsche Chronik bis zu Johann Gerhard Gruners (1734-1790) "Historisch-Statistische Beschreibung des Fürstenthums Coburg" (erschienen 1784 bzw. 1793) ein für Historiker und Verwaltungsbeamte unverzichtbares Kompendium. Der Sonnefelder Diakon Christian Friedrich Dotzauer (1764-1794) gab 1792 eine Aktualisierung ("Berichtiget, vermehrt und fortgesezt") von Hönns Chronik heraus, die von einem offensichtlichen Kenner der Coburger Geschichte in einer sehr ausführlichen Rezension in der "Neue(n) Allgemeine(n) Deutsche(n) Bibliothek" als fehlerhaft und das ursprüngliche Werk Hönns "verhunzend" verrissen wurde.

Betrugslexikon:
Das
erfolgreichste Buch Hönns war das erstmals 1721 in Coburg erschienene
"Betrugslexikon". Ein zeitgenössischer Chronist berichtet, dass während
der ersten (Buch-)Messe "sogleich die ganze Auflage von 2.000
Exemplaren" (eine für damalige Verhältnisse ordentliche Größe) verkauft
war und sofort eine neue Auflage gedruckt wurde. Insgesamt erschienen vier
Auflagen, darunter auch Raubdrucke ohne Zustimmung Hönns bzw. seines Druckers.
Hönn selbst hat Ergänzungen der ersten Auflage vorgenommen, dabei aber die
strikt lexikalische Reihenfolge der Einträge beibehalten. Das Betrugslexikon
erläutert anhand von mehr als 300 Artikeln, welchen Betrugsgefahren man bei
welchen Berufen oder gesellschaftlichen Rollen ausgesetzt ist und wie man sich
dagegen schützen kann.
Grenzen
der Aufklärung:
Hönn
war ein früher Aufklärer, und doch war auch er mit den Vorurteilen einer übergroßen
Mehrheit seiner Zeitgenossen behaftet. Dies wird besonders deutlich an den
Lexikoneinträgen über "Juden" und "Zigeuner". Juden hatten
zu Hönns Zeit keinerlei staatsbürgerliche Rechte und es galt keine
Gewerbefreiheit für sie. Auch für "Zigeuner" sind bei Hönn die
Grenzen der Aufklärung erreicht: ein "namhafftes Kopf-Geld" soll dazu
führen, dass möglichst viele sogenannte Zigeuner festgenommen werden und zur
Zwangsarbeit verbracht werden können - entweder in "wohlverwahrte
Festungen", wo sie beim Ausbau der Befestigungsanlagen eingesetzt werden
sollen, oder "über Meer in Plantagen und Colonien".
Soziale
Werke:
Hönn
war Pietist und ein Praktiker der Nächstenliebe, wie der mit ihm persönlich
bekannte August Hermann Francke (1663-1727), einer der Hauptvertreter des
Pietismus in Deutschland. Und wie Francke in Halle, gründet er - wenn auch in
kleinerer Form - auf eigene Kosten in Meiningen und in Coburg Waisenhäuser. Das
Waisenhaus Hönns wurde von Herzog Ernst I. für den Neubau seines Hoftheaters rücksichtslos
aufgelöst und abgerissen. Die Vorrede zum Betrugslexikon beendet Hönn mit
einer wortgewaltigen und hoffnungsvollen "Weihnachtspredigt":
"Allein wer weis nicht und daß der rechte Gebrauch dem Mißbrauch
vorzuziehn und dieser jenen nicht aufhebet. Der HErr, bey welchem kein Betrug
jemalen zu finden gewesen lasse diese Entdeckung denen Betrügern zur Reue und
nimmerthun, denen Betrogenen zu künftiger besserer Vorsichtigkeit, denen
Unbetrogenen zu einem Kennzeichen, sich vor solchen Fallstricken zu hüten,
gereichen. Die Gegenmittel aber besonders bey Herren und Obern, zur Abstellung
und Vorbeugung solcher Betrügereyen gesegneten Ingreß finden und verleihe übrigens,
daß Treue, Aufricht- und Redlichkeit einander, solange noch die Creatur auf
besseres Leben hofft, auf Erden begegnen und küssen möge. Gegeben Coburg den
20. Dec. 1720."

In Hönns "Historia" sind auch alte Stadtsiegel Coburgs abgebildet. Hier das um 1300.
Edmund Frey
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