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Coburg aus dem "Dintenfas":

Georg Spalatin (1484 - 1545): Chronik der Sachsen und Thüringer 

Georg Burkhardt, der sich nach seinem Geburtsort Spalt "Spa-latin" nannte, studierte in Erfurt und Wittenberg (Philosophie, Jura, Theologie), Priesterweihe 1508, Archivar, Bibliothekar, Historiograph und Prinzenerzieher, Beichtvater und engster Berater von Kurfürst Friedrich dem Weisen von Sachsen, Tatkräftige Unterstützung der Lutherischen Reformation, 1545 in Altenburg gestorben. 

Georg Spalatin. Lithographie von Klinike, um 1820. LBC, GP A Spalatin I.

Friedrich der Weise (1463-1525) beauftragte 1510 oder etwas früher Georg Spalatin mit einer breit angelegten Stammeschronik. Kongenial wirkte an der Spalatin-Chronik Lucas Cranach (1472-1553) mit - der aus Kronach stammende und sich nach seinem Geburtsort nennende kursächsische Hofmaler. Aus seiner Werkstatt stammen die weit über 1000 Illustrationen. Unter Oberaufsicht des Meisters wurden die aquarellierten Federzeichnungen von mehreren in seiner Werkstatt tätigen Künstlern ausgeführt. Ziel war die Einheit von Bild und Text, was sich an der Seitengestaltung gut erkennen lässt. Die regelmäßige Abfolge von Überschrift, Bild und Text folgte humanistischen Vorstellungen. Die Spalatin-Chronik ist bis heute nicht ediert. Ihre wesent-lichen Teile liegen als drei voluminöse Handschriftenbände in der Landesbibliothek Coburg und zählen zu deren ganz be-sonderen Schätzen. Spalatin konnte sein auf sechs Bände konzipiertes Lebenswerk nicht vollenden. Die Chronik bricht in der Zeit Friedrich des Streitbaren von Thüringen (1370-1428) ab, durch dessen Eheschließung mit Katharina von Henneberg die (ab 1477 so genannten) "sächsischen Ortlande in Franken" zum wettinischen Herrschaftsgebiet kamen. 

Die gesamte Spalatinchronik ist online verfügbar: http://spalatin.informatik.uni-wuerzburg.de/login/frame.php 

Text und Erläuterungen: 

Im Jahr 1353 erfolgte in der bis dahin rund 300-jährigen Co-burger Geschichte eine entscheidende Wende. Coburg, das als hennebergischer Besitz zum Bistum Würzburg gehörte, wurde Teil des Herrschaftsgebietes der Landgrafen von Thüringen. Die Zugehörigkeit des fränkischen Landstrichs zu den Wettinischen Landen, die sich ansonsten in Thüringen und Sachsen befanden, bestand bis 1918. Sie prägt bis heute das Bewusstsein der Coburger, weder das eine noch das andere, sondern als "Coburger" eben etwas ganz Besonderes zu sein. Von dem folgenreichen Ereignis "Wie Koburg und Sunnenberg an die Lanntgraven zu Düringn kummen sein" und von seiner Vorgeschichte berichtet die "Chronik der Sachsen und Thüringer".  

Text in der Übertragung ins Neuhochdeutsche: 

Wie Coburg und Sonneberg an die Landgrafen von Thüringen kam 

Als Graf Heinrich von Henneberg sich mit Krieg und anderen Untaten nicht gegen den Landgrafen durchsetzen konnte, kam bei ihm die Sorge auf, er würde mit solchen Vorhaben nichts erreichen, ohne sich selbst erheblichen Schaden zuzufügen. Außerdem befürchtete er, bei einem längeren Krieg bliebe sei-ne Tochter die ganze Zeit in einer entwürdigenden Situation, weil sie von ihrem Eheherrn getrennt war. Deswegen tat er alles, um den Landgrafen zu versöhnen. Er schaffte es, dass es zu freundlichen Tagen kam. Daraufhin verabredeten beide Seiten, dass gegenseitig alle Gefangenen freikämen und dass die Tochter des Grafen von Henneberg, die Herrin Katharina, umgehend wieder zu ihrem Eheherrn, dem Landgrafen, ziehen sollte. Sie vereinbarten auch, dass der Graf zwar all seine Schlösser und Städte dem Landgrafen, seinem Schwiegersohn, und seiner Tochter huldigen lassen sollte, über diese aber Zeit seines Lebens noch verfügen könne. So kamen die Städte und Schlösser Coburg und Sonneberg zusammen mit anderen Städten und Schlössern der (heutigen) Herzöge zu Sachsen im Frankenland an die Landgrafen zu Thüringen. 

Erläuterungen: 

Wie das Textbeispiel sehr schön zeigt, werden geschichtliche Dinge in der Frühen Neuzeit  gerne erzählend, ja fast im Plauderton vermittelt. Historische Begebenheiten wechseln sich ab mit Histörchen, die Taten der Herrscher in manchen Fällen sogar mit vermeintlichen Wunderzeichen wie Kometen, Naturkatastrophen und Mehrlingsgeburten. Frühneuzeitliche ebenso wie mittelalterliche Chroniken zählen daher zu den literarischen Gattungen und lassen sich einer literaturwissenschaftlichen Betrachtung unterziehen. Geschichtsschreibung nach heutigem Verständnis war der damaligen Zeit fremd. Das soll nicht heißen, dass Historiker unter Anwendung ent-sprechender quellenkritischer Methoden nicht zahlreiche In-formationen aus solchen Werken ziehen können. Spalatin bemüht sich durchaus um die historischen Fakten, betreibt sogar Quellenstudien, übersetzt überlieferte lateinische Urkunden, Inschriften etc. innerhalb der Chronik ins Deutsche und lässt sogar erste Ansätze von Quellenkritik erkennen. Doch die Übergänge zwischen tatsächlichen Begebenheiten und tradierten Spekulationen sind auch bei ihm fließend. Es ging ja auch weniger um die reinen Fakten als um die Selbstdarstellung des Herrscherhauses und seine dynastische Legitimation. Bei dieser Zielsetzung bietet sich eine erzählerische Darstellung an.  

Die glorifizierende, oft sogar mythische Herleitung von Stäm-men und Adelsgeschlechtern, die Herausstellung ihrer Taten und Leistungen war in verschiedenen Chroniktypen des Mit-telalters und der frühen Neuzeit zu finden, in Weltchroniken ebenso wie in Kloster-, Bistums- und Territorialgeschichten. Die Landgrafen von Thüringen (seit 1236) hatten seit 1423 auch die sächsische Kurwürde inne. Sie sahen sich daher in der Tradition früherer sächsischer Herrschergeschlechter, etwa der Ottonen (Liudolfinger), denen ein ganzer Chronikband gewidmet ist. Im Mittelpunkt der Darstellung stehen die einzelnen Herrscherpersönlichkeiten. Der Aufbau der Chronik orientiert sich weitgehend an genealogischen Zusammenhängen. Wegen der dynastischen Verflechtungen verläuft der Erzählfluss stellenweise nicht linear, sondern springt vor und zurück. 

Lucas Cranach: 

Lucas Cranach: Selbstbildnis von 1550. Öl, Holz, 67 x 49 cm. Florenz, Uffizien. Aus: Peter Moser: Lucas Cranach, 2004. Signatur LBC: 2004, 1965.

Friedrich der Weise berief 1505 den 1472 in Kronach geborenen Lucas Cranach, Maler und Kupferstecher, an seinen Hof nach Wittenberg. Cranach war bis zu seinem Tod 1553 Hofmaler der sächsischen Kurfürsten. Cranach ist einer der herausragendsten Maler des 16. Jahrhunderts. Bekannt sind seine Bildnisse der Reformatoren und vor allem Luthers. Von ihm stammen die Abbildungen in Luthers Bibelübersetzung. Auf Grund der vielen Aufträge gründete Cranach eine Werkstatt, in der unter seiner Aufsicht durch angestellte Künstler auch die Abbildungen der Spalatinchronik entstanden. 

Silvia Pfister/ Bearbeiter: Edmund Frey

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