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Coburg aus dem "Dintenfas":

Cyriacus Schnauß (1512-1571): Kampf dem Antichristen 

Cyriacus Schnauß wurde 1512 in Roda/ Thüringen geboren. Er absolvierte eine Apothekerlehre,  u.a. in Bamberg. Dreimal beantragte er die Niederlassung als Apotheker in Coburg, die ihm der Stadtrat - unter Hinweis auf ein bestehendes Unternehmen - wiederholt verweigerte. Etwa 1543 eröffnete er sein Geschäft eigenmächtig, worauf der Stadtrat die Schließung der Apotheke forderte. Herzog Johann Ernst setzte sich für ihn ein. Allerdings erhielt er erst zwei Jahre später, als der neue Stadtarzt Dr. Stathmion schwere Missstände in der Krämerschen Apotheke aufdeckte, die offizielle Genehmigung seinen Betrieb weiterzuführen (im Hinterhaus der heutigen Hofapotheke mit Verkaufsfenster zur Steingasse). Bis ins hohe Alter verhalf er seinem Unternehmen zu Ansehen und Erfolg. Wie ein Gutachten bestätigte, genügte die Apotheke den professionellen Anforderungen der damaligen Zeit. 

Cyriacus Schnauß, Bildnismedaille von 1563. Vorderseite. KS Co, Inv.-Nr.: Med 96.

Sein Berufsethos brachte er mit einer markanten Aussage auf den Punkt: "Denn nechst der seelen artzney ist ja nichts höher von nötten, dan die Gesundheit des Leibs zu erhalten." Schnauß war zweimal verheiratet und starb 1571. Schnauß war nicht nur Apotheker, sondern auch Verfasser streitbarer theologischer Schriften, die er allesamt in Coburg verfasste und selbst druckte. Vermutlich befand sich die  Druckerei im Keller des Hinterhauses seiner Apotheke. 

Die Publikationen von Cyriacus Schnauß sind nur noch aus-gewiesenen Experten bekannt. Wie ein roter Faden durchzieht ein Grundmotiv  seine  Streitschriften: Der  Kampf  gegen den "Antichrist", also gegen den Papst und seine Anhänger. Diesen Kampf führte der überzeugte Protestant (ganz im Sinne Luthers) mit unerbittlichem Eifer. 

Cyriacus Schnauß: "Pasqvilus. New Zeytung Vom Teuffel" (1546) 

Das ist wohl sein herausragendes Werk; acht Auflagen sind erschienen. Ein "Pasquill" ist eine Form der Satire: eine (meist anonyme) Schmähschrift gegen eine bestimmte Person. Zwar fehlt der Name des Verfassers im Titel, doch sind die Buchstaben am Textende leicht als Anagramm (d.h. als Namensumkehrung) zu entziffern: "Asuanhessucairick". Literarisches Vorbild für Schnauß war Hans Sachs (1494-1576). 

Der Text enthält ein Zwiegespräch zwischen dem Teufel und dem Papst. Einleitend lässt der Autor keinen Zweifel an seiner entlarvenden Absicht aufkommen: "Wie der Bapst mit seim gesellen / Gottes wort vertilgen wöllen". Der Teufel nähert sich dem wehklagenden Papst und bietet sich ihm kumpelhaft als "gsell" an. Der Teufel hat das Gespräch stets fest in der Hand und weiß, wie er den Papst provozieren muss um ihn zur Selbstentlarvung zu bringen.

LBC, Rara / Cob 11.574.


Schnauß war ein "begnadeter" Polemiker und Fanatiker mit einem klaren "Feindbild". Jedoch ist der kämpferische Gestus typisch für die Jahrzehnte nach der Reformation, in der man Glaubensgegner mit allen Mitteln bekämpfen zu müssen glaubte. Dabei ist nicht zu leugnen, dass Schnauß weniger durch systematisches Denken, sondern eher durch überschäumende polemische Energie hervortat. - Was die Frage nach dem theologischen und literarischen Rang betrifft, so werden hier die Meinungen geteilt bleiben. Allzu voreilig sind jedoch die vernichtenden Urteile der älteren Forschung. Man kann kaum abstreiten, dass Schnauß in einigen seiner großen Streitschriften intellektuelle Schärfe mit rhetorischer Treffsicherheit und stilistischer Wendigkeit vereint. Im geistigen Reizklima des 16. Jahrhunderts waren solche militanten Köpfe keine Ausnahme - auch nicht in einer Hochburg des Protestantismus wie Coburg. Daher steht zumindest der kultur- und stadtgeschichtliche Wert der Schnaußschen Schriften außer Zweifel.
 

Reinhard Heinritz/ Bearbeiter: Edmund Frey

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