[Zurück zu unserer Startseite] [Zurück zu Rückblende]
Nach den beiden Literaturverfilmungen ("Die verlorene Ehre der Katharina Blum" am 4. Mai und "Die Apothekerin" am 5. Mai) wurde am 6. Mai im Andromedasaal der Landesbibliothek Coburg (Schloss Ehrenburg) über die Frage: "Wie kommt die Literatur aufs Land" diskutiert. Teilnehmer waren die Verleger Michael Krüger (Hanser-Verlag) und Klaus Schöffling (Schöffling-Verlag), Christa Hein und Friedmar Apel vertraten die Schriftstellerseite. Die Moderation hatte Volkmar Henke (Coburg).

Klaus Schöffling, Michael Krüger, Volkmar Henke, Christa Hein und Friedmar Apel (von links)

Klaus Schöffling, Michael Krüger und Volkmar Henke
Carolin Herrmann schrieb unter der Überschrift: "Wie viel Buch braucht der Mensch auf dem Lande: Verleger, Autoren, Einsichten: Amüsante Podiumsdiskussion im Andromedasaal von Schloss Ehrenburg zu den Literaturtagen 'Coburg liest!'" im Coburger Tageblatt vom 8. Mai 2004:
"Für eine Podiumsdiskussion zum Thema
Literatur braucht man einen "Star", einen Branchenstern wie Michael
Krüger ... einen dieser Giganten, die auch mal lässig von links auf das Thema
spucken. Was auch nötig ist, weil so ein Unterfangen doch unerträglich würde,
erst recht hier, in der literarischen Provinz, mit all seinen kleinen Leserlein.
Genau so einen zerrt die Arbeitsgemeinschaft "Coburg liest" ... her
für ihre ersten Coburger Literaturtage und setzt ihn in den prunkenden
Andromedasaal der Ehrenburg. Dazu noch Krügers Verleger-Kollegen Klaus
Schöffling und die Autoren Christa Hein und Friedmar Apel, damit es sich auch
lohnt (Henning Boëtius hat rechtzeitig die Grippe erwischt). Die
nun sollen dem voll besetzten Saal erzählen, wie die Literatur aufs Land kommt.
Ein bestens vorbereiteter Moderator, Volkmar Henke (sein Berufsleben lang war er
Theaterregisseur), fragt sie so 'rum und so 'rum. Und immer, wenn der Gigant und
die anderen Größen - schon vorsichtig und probeweise - mal ein Stichwort
geben: Literaturwerkstatt, gute Buchhandlung ... jubeln die Coburger im kuschlig
warmen Saal: Hamm' wir schon. Worauf Schöffling und Krüger überzeugt tun,
dass es hier bestimmt mehr Leser als in ganz Großberlin zusammen gibt. Jaaa! ... Es ist ein weites Feld, das die
Diskutanten an diesem Abend brav und an vielen Stellen amüsant beackern ... Was soll ich sagen zu dieser
Podiumsdiskussion: Schön war's. Machen wir wieder (vorausgesetzt die geplagten
Initiatoren wollen das und die Sponsoren zahlen), gerade auch, weil doch der
"Wille zur Kultur" (Krüger) schwindet, aber nicht hier: Coburg
liest!"

Christa Hein und Friedmar Apel

Michael Krüger
Michael Krüger schrieb im Gästebuch: "Wer in den Wolken lesen kann, ist auch ein Leser!"
Unter der Überschrift "Literarisches Quartett ohne Gegenspieler: Gesprächspartner vergaßen bei lokalpatriotisch-harmonischem Abend die literarische Jugendkultur" erläuterte Martin Droschke in der Neuen Presse vom 8. Mai 2004 seine Eindrücke von der Podiumsdiskussion:
"Vier Freunde hatten die Veranstalter von "Coburg liest!" am Donnerstagabend um den Moderator Volkmar Henke gruppiert; vordergründig, um im Podiumsstreit die Frage "Wie kommt die Literatur aufs Land" zu beantworten; hintergründig, um am lebenden Beispiel vorzuführen, dass sie in Coburg schon da ist. ... Michael Krüger erklärte, dass er das Lesen für das Fundament einer mündigen Gesellschaft hält. Klaus Schöffling und Christa Hein erklärten dasselbe. Friedmar Apel brachte die Harmonie, in der die Crew den voll besetzten Andromedasaal in der Ehrenburg erstrahlen ließ, auf den Punkt, indem er mehrfach wiederholte: "Das sehe ich auch so". ... Gemeinsam zählten die Freunde die literarischen Initiativen Coburgs auf, stellten fest, dass es außergewöhnlich viele sind ... Volkmar Henke wurde sich schnell mit den Vieren einig, dass das Thema eigentlich falsch am Platze war. "Gerade die deutsche Literatur ist ja schon immer provinziell gewesen", fasste Apel zusammen. Das ging natürlich runter wie Öl. Was konnten die Freunde anderes tun, als den Abend zu nutzen, um über die allgemeine Bedeutung des Lesens und Literatur im Medienzeitalter zu plaudern und sich Sorgen zu machen über die Unlust der Jungen an Sprache und Buch.
Und genau an diesem Punkt wurde es problematisch, denn es zeigte sich, dass alle vier im Elfenbeinturm der Literaturprofis leben und es dringend eines Gegenspielers bedurft hätte; oder zumindest einer Hand voll Menschen im Schüler- oder Studentenalter im Publikum. ... Es fehlte jemand, der Michael Krüger hätte aufklären können, dass die Basis des unter Jugendlichen grassierenden Hip-Hop der Rap ist; und der Rap nichts anderes als eine Spielart von Lyrik mit festen formalen Gesetzen. ... Anschließend äußerte Krüger mit erhobenen Zeigefinger in der Stimme, "dass der Wille zur Kultur schwindet". Gut, dass keiner der jungen, angeblichen Ignoranten der Literatur im Publikum saß. Man hätte sonst ganz real beobachten können, wie einer mit Worten dafür sorgt, dass seine böse Prophezeiung auch eintritt."
Fotos: © Edmund Frey, 2004
© Landesbibliothek Coburg, 2004