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Bedeutende Gelehrte aus dem Casimirianum 
Zusammenstellung von Silvia Pfister


Professoren und Schüler des Casimirianums erlangten als Gelehrte, Wissenschaftler und Schriftsteller überregionale Bekanntheit. Zu den ganz bekannten zählen Johann Matthäus Meyfart (1590–1640) und Andreas Libavius (1550-1616), Meyfart als sprachmächtiger Kritiker der zeitgenössischen Praxis der Hexenverfolgung und Libavius als Mitbegründer der modernen Chemie. Neben den in der Ausstellung vertretenen Persönlichkeiten seien noch Johann Christoph Kohlhans (1604-1677) und Johann Christoph Matthias Reinecke (1768-1818) erwähnt. Dem aus Neustadt bei Coburg stammenden Johann Christoph Kohlhans, Professor am Casimirianum und Rektor der Ratsschule, hatte die Landesbibliothek anlässlich seines 400. Geburtstages im Jahr 2004 eine eigene Ausstellung gewidmet. Seine wissenschaftliche und pädagogische Aufmerksamkeit richtete sich sowohl auf die griechische und hebräische Sprache als auch auf Mathematik, Physik und Astronomie. Johann Reinecke, der im frühen 19. Jahrhundert als Direktor am Casimirianum wirkte, betätigte sich als Geologe und Geograph. Er beschrieb nicht nur die zahlreichen Fossilien in den Coburger Landessammlungen (heute: Naturkunde-Museum), sondern betätigte sich auch sehr erfolgreich als Karthograph. 

Die getroffene Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ziel war es, Persönlichkeiten herauszugreifen, die mit ihren Werken in der „Bibliotheca Casimiriana“ und anderen Sammlungen der Landesbibliothek Coburg vertreten sind. Einige zusammenfassende Aussagen sind gleichwohl möglich: Nahezu alle Professoren stammen aus der Region, aus dem restlichen Franken oder aus anderen ernestinischen Herzogtümern. Aufschlussreich ist die Durchlässigkeit zwischen gymnasialen und universitären Laufbahnen. Auch daran ist die wissenschaftliche Reputation des Coburger „Gymnasium academicum“ zu erkennen. Manche der Professoren waren vor ihrer Tätigkeit am Casimirianum Dozenten an Universitäten (Briegleb in Göttingen, Hannover und Hardenberg; Chladen in Wittenberg, Cyprian in Helmstedt etc.), andere erhielten als Professoren am Casimirianum einen Ruf an eine der großen Universitäten (Chladen und Harless nach Erlangen, Gruner nach Halle, Feder nach Göttingen, Meyfart nach Erfurt). Wie nicht anders zu erwarten, wurde der Wirkungskreis vor allem konfessionell begrenzt. Zu den sächsich-ernestin-ischen Herzogtümern, den Kernlanden der Reformation, kamen das albertinische Sachsen, das heutige Niedersachsen sowie in Franken das evangelische Erlangen. 

Der Fächerkanon weicht deutlich von dem ab, was uns von heutigen Schulen und Universitäten her vertraut ist. Erkennbar ist die seit dem Mittelalter selbstverständliche Dominanz der Theologie. Letztendlich in ihren Diensten wurden die philosophischen und philologischen Fächer etabliert. Der reformatorisch-humanistische Anspruch, zum ursprünglichen Bibeltext zu gelangen, setzte die Kenntnis der drei „heiligen“ Sprachen Latein, Griechisch und Hebräisch voraus. Altphilologien, Altertumswissenschaften, Rhetorik und Poetik sowie „Orientalistik“ stehen daher noch vergleichsweise ungeschieden nebeneinander. Auch der Übergang zu den Naturwissenschaften konnte fließend sein, wie das Beispiel Kohlhans zeigt.

Eine enge Verflechtung bestand zwischen akademisch-gymnasialem Lehrbetrieb, schulischem Festwesen und wissenschaftlich-publizistischer Tätigkeit. Zahlreiche Schulschriften, das sind Schulprogramme, Reden zur Einführung und Verabschiedung von Kollegen (zum Beispiel die Einführung Gruners durch Chladen) sowie Reden und Gespräche (Disputationen) als Teil von Unterricht und Prüfungen, legen hiervon Zeugnis ab. Im 17. Jahrhundert gab es an Universitäten und Gymnasien eine heute nicht mehr vorstellbare hoch entwickelte lateinische Redekunst. 

Bei den rhetorisch-schriftstellerisch-wissenschaftlichen Aktivitäten am Casimirianum ist oft ein regionaler Bezug gegeben. So verfasste Briegleb eine Geschichte des Casimirianums. Und Arzberger suchte nach der exakten geographisch-astronomischen Lage Coburgs. Wie im konfessionellen Zeitalter üblich, exponierten sich Professoren und Direktoren des Casimirianums wiederholt in Kontroversen. Das gilt für Meyfart ebenso wie für Keßler und Cyprian, der als Gegner des Pietismus in die Geschichte einging. Insbesondere die Theologen übernahmen auch geistliche Aufgaben. Für sie war daher der Wechsel von einer schulisch-wissenschaftlichen Tätigkeit zu einem kirchlichen Amt nahe liegend. Cyprian wurde Vizepräsident des Oberkonsistoriums in Gotha und Keßler Superintendent in Schweinfurt. Von ihm verfasste geistliche Lieder gingen in das Coburger Gesangbuch ein. 
Der Geograph Arzberger hingegen wechselte in ein hohes politisches Amt des Herzogtums Coburg. 

Last not least waren die Professoren auch Liebhaber und Sammler von Büchern. Wir zeigen zwei Beispiele mit handschriftlichen Besitzvermerken Cyprians, von dem bekannt ist, dass er eine umfangreiche Privatbibliothek besaß und diese auch verzeichnete. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Herzogliche Bibliothek in Gotha (heute: Forschungsbibliothek Erfurt / Gotha), deren Handschriften er katalogisierte. Auch Keßler besaß eine Privatbibliothek mit rund 600 Bänden, die er in den Wirren des 30-jährigen Krieges verlor. Zum Leiter der Universitätsbibliothek Erlangen und der königlichen Bibliothek in Hannover (heute: Niedersächsische Landesbibliothek) brachten es schließlich Harless bzw. Feder. 

Christoph Arzberger (1772–1822) wurde nach Studium und Promotion in Erlangen 1796 Professor für Mathematik am Casimirianum. Seine besondere Neigung galt der angewandten Mathematik und der Astronomie. Mit Hilfe eines eigens von ihm entwickelten Apparates bestimmte er auf der Grundlage astronomischer Gegebenheiten die exakte geographische Lage der Stadt Coburg. 1802 schied er aus dem Lehrkörper aus und begann eine Karriere als Staatsmann im Dienste des Herzogtums Coburg, bei der er es bis zum Geheimen Rat und Kammerpräsidenten brachte. 

Christoph Arzberger: Ueber die geographische Lage der Stadt Coburg. Einladungsschrift zur öffentlichen Feier der Gründung des Herzogl.<ichen> academischen Gymnasiums zu Coburg am 3ten Iulius 1798. Coburg (1798). – Cas A 6570 : 32. 

Johann Christian Briegleb (1741–1805) wurde nach Schul- und Studienzeit in Eisenach bzw. Jena sowie Tätigkeiten in Göttingen, Hannover und Hardenberg 1768 am Casimirianum zunächst als Nachfolger Feders Professor für Logik, Metaphysik und Moralphilosophie, 1770 dann als Nachfolger Harless’ Professor für orientalische Sprachen und Griechisch. Nach einigen weiteren ehrenvollen Ämtern wurde er 1796 schließlich Direktor des Casimirianums in der Nachfolge seines Schwiegervaters Bartenstein. 
Briegleb muss ein ausgezeichneter Lehrer mit großen pädagogischen Fähigkeiten gewesen sein. Er verfasste zahlreiche philosophische und philologische Bücher sowie eine Geschichte des Casimirianums.

Johann Christian Briegleb: Einleitung in die philosophischen Wissenschaften nebst einem Abriß der Geschichte derselben, und einem Verzeichniß der vornehmsten philosophischen Schriften… Coburg 1789. – Cas A 5154.

Johann Christian Briegleb: Geschichte des Gymnasii Casimiriani Academici zu Coburg. Coburg 1793. – Cas A 1886. 

Johann Martin Chladen (Chladenius, Chladny; 1710–1759) war bereits Schüler des Casimirianums. Nach Studium, Examen und zehnjähriger Lehrtätigkeit in seiner Geburtsstadt Wittenberg sowie einer außerordentlichen Professur für christliche Altertümer in Leipzig wird er 1744 zunächst stellvertretender Direktor, ab 1747 Leiter des Casimirianums. 1748 erfolgte der Ruf auf den Lehrstuhl für Theologie, Poetik und Rhetorik der Universität Erlangen, wo Chladen 1752 und 1756 zweimal Prorektor war.

Johann Friedrich Gruner (1723–1778) wurde in Coburg als Sohn des sachsen-coburgischen Konsistorialpräsidenten Johann Friedrich Gruner (1688– 1756) geboren. Nach Studium in Jena und Leipzig und erster Vorlesungstätigkeit wurde er 1747 Professor am Casimirianum, wo er bis zu seinem Ruf als ordentlicher Professor an die Universität Halle 1764 blieb.

Johann Martin Chladenius: Ad solemnem inaugurationem novi professoris linguae et antiquitatis Romanae Domini Joannis Friderici Gruneri … Convocat Simulque De Antiquitatibus Generis Humani Quaedam Disserit Ioannes Martinus Chladenius… Coburg (1748). – Cas A 6566 : 9.

Ernst Salomon Cyprian (Cyprianus; 1673-1745), geboren in Ostheim vor der Rhön, studierte zunächst in Leipzig und Jena Medizin, bevor er sich in Jena der Theologie und Kirchengeschichte zuwandte. Nach einer außerordentlichen Professur für Geschichte und Logik in Helmstedt wurde er 1700 Theologieprofessor und Direktor am Casimirianum. 1713 wurde er Mitglied und 1735 Vizepräsident des Oberkonsistoriums in Gotha.
Cyprian war Verfasser zahlreicher Bücher und Besitzer einer eigenen umfangreichen Bibliothek, die er ebenso verzeichnete wie die Handschriften der Bibliothek in Gotha (Cas A 324). 

Bibliotheca Cyprianica, Sive Catalogus Librorum Historico-theologicorum, Quos Ern.<estus> Sal.<omon> Cyprianus … sibi undecunque conquisivit. Gotha 1726. – Cas A 4523. 
Mit persönlichem Schenkungsvermerk, aus dem hervorgeht, dass Cyprian „das Buch seiner Bücher“ (libellum de libellis suis) der alten Bibliothek des Gymnasiums Casimirianum darbringt. Hinzuweisen ist noch auf die schöne Sentenz, wer Gott hasse, könne das Casimirianum nicht lieben (Qui Christum odit, collegium Casimirianum 
amare non potest). 

Thomas Gataker: Opera Critica: 1698. – A IV 1/6 – mit handschriftlichem Besitzvermerk Cyprians aus dem Jahr 1709. 

Ernst Salomon Cyprian (1673-1745) zwischen Orthodoxie, Pietismus und Frühaufklärung. Hrsg. von Ernst Koch und Johannes Wallmann. Gotha 1996. – 97, 508.
Das Brustbild befindet sich im Original in der Forschungsbibliothek Gotha.

Johann Georg Heinrich Feder, geboren in Schornweissach bei Neustadt/Aisch, kam nach einem Studium in Erlangen 1765 ans Casimirianum, zunächst als Professor für Metaphysik. In der Folgezeit unterrichtete er zahlreiche Fächer, zum Teil im Wechsel mit dem damaligen Direktor Frommann . Er war mit Moriz August von Thümmel, dem in Coburg lebenden Schriftsteller und Minister, befreundet und hatte gute Verbindungen zu Johann Gottlieb Aulig, den Poyhistor und Prinzenerzieher am Coburger Hof. 1768 wechselte er an die Universität Göttingen, wo er als Philosophieprofessor hohes Ansehen genoss, das durch Auseinandersetzungen mit Kant allerdings phasenweise etwas litt. Feder wirkte außerdem als Direktor des Georgianum in Hannover sowie als Leiter der dortigen königlichen Bibliothek.

Johann Georg Heinrich Feder: Der neue Emil oder von der Erziehung nach bewährten Grundsätzen. 2. Auflage. 2 Bde. Erlangen 1771-1775. – Cas A 4182 (1) + (2).

Johann Georg Heinrich Feder: Logik und Metaphysik nebst der philosophischen Geschichte im Grundrisse. Göttingen, Gotha 1769. – Ta 997.

Io.<hann> Georgius Henricus Feder. Brustbild im Oval. Schabkunst von J. E. Haid 1780. – GP A Feder 1.


Gottlieb Christoph Harless (Harles, 1738–1815) wurde in Kulmbach geboren. Nach einem Studium in Halle, Erlangen und Jena sowie Lehrtätigkeiten am Waisenhaus in Halle und in Erlangen wurde er 1765 Professor für Orientalistik und Rhetorik am Casimirianum. 1770 ging er als Professor für Poesie und Beredsamkeit an die Universität Erlangen, wo er das Philologische Seminar gründete und von 1776 bis 1805 auch die Universitätsbibliothek leitete. Bekannt wurde er als Philologe und Herausgeber antiker Werke, nicht zuletzt durch seine 1790 bis 1809 erschienene Neuausgabe der „Bibliotheca Graeca“ von Johann Albert Fabricius (Cas A 5952). Im Rahmen seines Wirkens in Coburg befasste er sich auch mit dem ehemaligen Kanzler Johann Conrad von Scheres, dessen Bibliothek sich unter der Signaturgruppe „Sche“ ebenfalls in der Landesbibliothek befindet. 

Demosthenis Oratio de Corona … Edidit Theophilus <griech. Form von „Gottlieb“> Christophorus Harles. Altenburg 1769. – Cas A 2324.

M. T. Ciceronis ad Quintum Fratrem Dialogi Tres De Oratore. Animadversiones interpretum excerpsit suasque adiecit Theophil.<us> Christoph.<orus> Harles. Nürnberg 1776. – Cas A 6100.

Gottlieb Christoph Harles: Gesammlete Nachrichten von dem Leben und den Stiftungen des ehemaligen hiesigen Kanzlers Joh.<ann> Conrad von Scheres genannt Zieritz. Coburg 1766. – Cas A 6568 : 5. 

Theophilus Christophorus Harles. Brustbild en face im Rund. Schabkunst von J.E. Haid nach einem Gemälde von J.J. Kleemann. Augsburg 1777. – GP A Harleß 2.


Andreas Keßler (Kesler, 1595–1643) wurde in Coburg geboren und ging hier zur Schule. Nach seinem Studium in Jena und Wittenberg wurde er 1623 Professor für Logik am Casimirianum. Zwei Jahre später übernahm er die Superintendentur in Eisfeld. Nach der Zerstörung Eisfelds im 30-jährigen Krieg (1632) und dem Verlust seines gesamten persönlichen Besitzes, darunter seiner mehr als 600 Bände umfassenden Bibliothek, ging er 1633 als Superintendent und Rektor des Gymnasiums nach Schweinfurt, bevor er 1635 als Generalsuperintendent nach Coburg zurückkehrte. Bekannt wurde er nicht zuletzt als Verfasser geistlicher Lieder, die Aufnahme ins Coburger Gesangbuch fanden. Seine besondere Fürsorge galt dem Casimirianum, das er auch mit seinem persönlichen Vermögen unterstützte. 

Andreas Kes<s>ler: Coburgische Erbhuldigungs Predigt. Coburg 1640. – Cas A 1351.

Andreas Kes<s>ler: Lutherisch Frankenthal / Oder Wiederlegung / Des Päpstischen Franckenthals… Wittenberg 1624. – Q IV 13/40.

Andreas Kes<s>ler: Prudentia Christiana. Das ist / Trewhertzige Anweisung / Wie sich fromme Evangelische Christen … verantworten können. Coburg 1629. – Cas A 1363.

Andreas Keßlers Brustbild im Schriftoval. Kupferstich von M. Haffner. 104 x 89 mm. – GP A Kesler 1. 


Johann Matthäus Meyfart (Meyfarth, 1590–1642) wurde nach seiner Schulzeit in Gotha sowie seinem Studium in Jena und Wittenberg 1616 als Professor ans Casimirianum berufen, wo er 1623 zum Direktor aufstieg. Er unterrichtete alle theologischen Fächer, dazu Griechisch, Hebräisch, Geschichte, Geographie und Beredsamkeit. Anfang der 30er Jahre ging er, dessen Beziehungen zu Herzog Johann Casimir zunehmend schlechter wurden, als Professor an die Universität Erfurt, deren Rektor er 1635 wurde. Meyfart verfasste zahlreiche erbauliche, eschatologische und moralkritische Schriften, in denen er auch die Schäden im akademischen Lehrbetrieb anprangerte. Außerdem machte er sich als Gegner der Hexenprozesse einen Namen. Rhetorisch geschult und von hoher sprachlicher Gestaltungskraft, schuf er zur Vermittlung seiner vielfältigen Anliegen eine höchst seltene rhythmisierte Kunstprosa in deutscher Sprache.

Johann Matthäus Meyfart: Das jüngste Gericht. Nürnberg 1672. – Cas A 345.

Johann Matthäus Meyfart: Christliche Erinnerung … wie das abschewliche Laster der Hexerei mit Ernst auszurotten, aber in Verfolgung desselbigen auff Cantzeln und in Gerichtsheusern sehr bescheidentlich zu handeln sey. Schleusingen 1635. – Cas A 2205 : 1.

Johann Matthäus Meyfart: Christliche Erinnerung von der Auß den Evangelischen Hochen Schulen in Teutschlandt von manchem ort entwichenen ordnungen und Erbarn Sitten & bey dißen Elenden Zeiten eingeschlichenen Barbareyen… Schleusingen 1633. – Cas A 2205.

Johann Matthäus Meyfart: Tuba novissima. Von den vier letzten Dingen des Menschen. 1626. Mit einem Anhang … hrsg. von Erich Trunz. Tübingen 1980 (= Deutsche Neudrucke, Reihe Barock 26). – Cob 11/67.
Meyfarts Kupferstich-Porträt von Johann Dürr befindet sich auf S. 97*. 

August Schleicher (1821–1868) wurde in Meiningen geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend in Sonneberg. Er war Schüler am Casimirianum und soll stellvertretend für die vielen Casimirianer stehen, die es im Leben zu hohem Ansehen und weit reichender Wirksamkeit brachten. Er gilt als Wegbereiter und Begründer der Indogermanistik. Sein Interesse galt der indogermanischen Sprachfamilie, deren Zusammenhänge er erforschte. Sprache verstand er als natürlichen Lebensbestandteil für den die Naturgesetze gelten und der wie biologische Organismen der Evolution unterliegt. Als sein Hauptwerk gilt das „Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen“, in dem er unter anderem eine indoeuropäische Ursprache rekonstruiert. Schleicher war an vielen Orten tätig, unternahm mehrere Forschungsreisen und beschäftigte sich mit einer Vielzahl europäischer und orientalischer Sprachen; er widmete sich in Feldversuchen aber auch dem mainfränkischen Dialekt des Itzgründischen.

August Schleicher: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd 1: Kurzer Abriss einer Lautlehre. Weimar 1861. – Cas A 5869.

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