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Ablaufplan: „Fritz steht Kopf!“


Herzlich willkommen bei Fritz Schiller. „Coburg liest!“ hat Sie eingeladen und ich will nur mit einem knappen Satz diese Arbeitsgemeinschaft aus Buchhandlung Riemann, Coburger Literaturkreis, Landesbibliothek, Stadtbücherei und Volkshochschule vorstellen. Fünf Institutionen und ein Ziel: Lese- und Literaturförderung. Wichtige Autorinnen und Autoren der Literaturgeschichte gehören dazu. Im letzten Jahr war es Ernst Jandl, der umfassend und vergnüglich in Erinnerung gebracht wurde. Und in diesem Jahr ist es Fritz Schiller, mit dem wir gemeinsam Kopf stehen wollen. Aber bevor ich Ihnen mehr verrate, gebe ich erst einmal das Wort an Herrn Rodenburger weiter, der uns ganz kurz die Geschichte dieses Hauses erläutert. Damit wir die richtige Einstimmung dazu haben, ein paar Takte Musik.

Musik: Coburger Marsch

Michael Rodenburger: kurze Einführung in die Geschichte des Bürglaßschlößchens

Musik: Ode an die Freude (Improvisation klassisch und schräg)

Moderation
In diesem Jahr also Fritz Schiller, dessen 200. Todestag heuer weltweit zelebriert wird. Wir wollen nichts zelebrieren, sondern versuchen, uns dem „ganzen“ Schiller zuzuwenden, dem idealistischen Künstler, dem die Kunst das Höchste und damit Humanste war, dem Kraftmeier, ein wenig dem Pathetiker und natürlich dem Balladendichter. Bei all dem vergessen wir nicht, dass Schiller, so jedenfalls wird behauptet, der meist parodierte deutschsprachige Künstler ist. Ob Schiller noch aktuell ist, nein diese Frage wollen wir nicht diskutieren. Das muss Jeder, Jede für sich entscheiden. Dass Schiller gelesen werden sollte, davon sind wir allerdings überzeugt. Und zwar nicht nur über ihn z.B. bei Rüdiger Safranski oder Sigrid Damm, sondern vor allem seine philosophisch-ästhetischen Schriften, allen voran die „Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen“ von 1794/1795, die Gedichte und Balladen in Auswahl, auch manche Dramen. Und natürlich die Parodien, zu denen Wulf Segebrecht ein erheiterndes und erhellendes Buch zum „Lied von der Glocke“ und dessen Parodien veröffentlicht hat.

Wer wagt es Rittersmann oder Knapp? Sie kennen diesen Vers. Oder eher: wer wagt es Knappersmann oder Ritt oder Knippersmann oder Ratt? Die es heute wagen – nicht zu tundeln in diesen Schlauch, wie es bei Heinz Erhardt heißt – sind Klaus-Dieter König und Robert Kluge. Ich bin Edmund Frey und von mir stammt die Auswahl der Texte. Das Konzept zu dieser Veranstaltung wurde von Brigitte Maisch von der Stadtbücherei und mir gemeinsam entwickelt. 

Und nun Bühne frei für Fritz Schiller! Zu Beginn stellen wir drei Texte vor, bei denen von Kennern abgesehen, nicht so schnell klar ist, was Schiller und was die Parodie ist.

Text 1: Schiller, Kastraten und Männer
Text 2: Schiller, Würde der Frauen
Text 3: Schlegel, Schillers Lob der Frauen


Musik: z.B. „Schlafe mein Prinzchen“

Moderation
Sie haben es erraten? Nein, Ja? Text 1 stammt von Schiller und trägt den schönen Titel „Kastraten und Männer“. Text zwei ist die Parodie von August Wilhelm Schlegel, die um 1797 entstand, auf den dritten Text, Schillers „Würde des Frauen“. Der kopfstehende Schiller stammt übrigens aus dem Album, das Schiller für seinen Freund Körner zu dessen 30. Geburtstag gestaltete und ist folglich ein Selbstbildnis Schillers. Schiller und Körner, nebst einigen Frauen, lebten einige Jahre in einer gemeinsamen Wohngemeinschaft. Wie am folgenden Text zu sehen ist, ist die tiefe Kluft zwischen Kunst und Leben, von der Goethes „Tasso“ spricht, auch Schiller geläufig, vor allem wenn es um den wichtigen Zusammenhang zwischen dem Dichten von Dramen und der Erledigung von Hausarbeit geht, vor allem dann, wenn die Räume zum Waschen von Hemden und Strümpfen und das Domizil des Dichters allzu nahe beieinander liegen..

Text 4: Schiller, Bittschrift 

Moderation
Dass Schiller den leiblichen Genüssen sehr aufgeschlossen war, erfahren wir jetzt. Den Titel des Gedichtes verrate ich allerdings erst später.

Text 5: Schiller, Punschlied

Moderation
Kenner und Liebhaber scharfer Getränke haben es natürlich erkannt: hier wurde die Herstellung eines Punsches besungen. Der damals bekannte Wiener und Berliner Theaterkritiker Moritz Saphir schrieb 1820 darauf sein „Schminklied“.

Text 6: Saphir, Das Schminklied

Musik: „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“

Moderation
Schiller, 1792 Ehrenbürger der Französischen Republik, heftiger und enttäuschter Kritiker des jakobinischen Terrors, wurde von den Dichtern des Vormärz gefeiert. Und daher auch zu politisch ernst gemeinten Parodien benutzt. Nach dem Reiterlied aus „Wallensteins Lager“ schrieb Philipp Jakob Siebenpfeiffer 1832 „Der Deutschen Mai“.

Text 7: Schiller, Reiterlied

Text 8: Siebenpfeiffer, Der Deutschen Mai

Musik: Deutschlandlied + Brüder zur Sonne, zur Freiheit

Moderation
Pegasus, der Sage nach ein geflügeltes Pferd, das der Medusa entsprang, als Perseus der Medusa den Kopf abschlug. Pegasus lebte frei bei den Musen im Helikon-Gebirge, wo er durch seine Hufe eine Musenquelle entspringen ließ. Wer daraus trank, sprach in poetischen Zungen. Pegasus ließ sich nicht einfangen, bevor Athene ein zauberisches Zaumzeug Prinz Bellerophon gab, der es so reiten konnte. Sein Versuch, damit in den Olymp zu gelangen, scheiterte am Widerstand von Zeus. Pegasus ist das Symbol des freien Dichters geworden und Schillers „Pegasus im Joche“ zeigt nur allzu deutlich die Lage des nicht unabhängigen Dichters. 

Die beiden folgenden Gedichte „Der spielende Knabe“ und „Das verschleierte Bild zu Sais“ unterstreichen Schillers Sprachkunst und ästhetische Haltung.

Text 9: Schiller, Pegasus im Joche

Musik: soll klingen wie „himmlische Sphärenklänge“

Text 10: Schiller, Der spielende Knabe

Musik: 

Text 11: Schiller, Das verschleierte Bild zu Sais

Musik: elegisch ernst (ca. 3 Minuten)

Moderation
Manche haben vielleicht Schillers „Johanna“ im Landestheater gesehen und erinnern sich an den Monolog Johannas „Lebt wohl, ihr Berge ...“. Der schon genannte Moritz Saphir hatte dabei ganz andere Assozationen.

Text 12: Schiller, Johanna von Orleans

Text 13: Saphir, Monolog einer kritisierenden Jungfrau

Musik: Gebet einer Jungfrau

Moderation
Eine Frau namens Laura hat Schiller des öfteren in seinen Gedichten erwähnt. Für Laura, bei Schiller die ideale Frau, soll es ein reales Vorbild gegeben haben, aber da ist sich die Forschung nicht einig. Widmen wir uns dem Ideal und lauschen dann einer Parodie im Stile des meist parodierten Librettisten / Komponisten Richard Wagner.

Musik: 

Text 14: Schiller, Laura am Klavier (Musik geht in Lesung über)

Text 15: Klein, Richard Wagner

Musik: Walkürenritt Übergang in Ode an die Freude

Moderation
Das Gedicht „An die Freude“ ist vor allem durch die Vertonung Beethovens ein Gassenhauer geworden. Sie kennen es alle. Daher nur zwei Parodien. Das „Lied an die Freude“, um 1867 entstanden, zeigt die gar nicht so lustigen Seiten an der Arbeit des Zensors. Ein ganz anderes Verständnis von Freude lässt das anonym erschienene „Morgengebet der Madame S. und ihrer Kleinen“ von 1795 erkennen. 

Text 21: Hopf, Lied an die Freude

Musik: Ode an die Freude

Text 22: Anonym, Morgengebet der Madame S. und ihrer Kleinen

Musik: Barcarole von Offenbach

Moderation
Schillers „Der Handschuh“ ist ein Höhepunkt seiner Balladenkunst und gibt ein bemerkenswertes Beispiel männlicher Emanzipation. Allerdings wurde seinerzeit in einem Almanach dieses männliche Verhalten als unangemessen getadelt. 

Text 23: Schiller, Der Handschuh

Musik: I can’t give you anything but love, baby

Moderation und Spiel um Schillers Glocke
Das meist parodierte Werk Schillers ist „Das Lied von der Glocke“. Obwohl dieses Gedicht sicherlich weithin bekannt ist, hat Klaus-Dieter König sehr intensiv sich auf den Vortrag in seiner ganzen Gänze vorbereitet. Klaus-Dieter König! ..... Klaus, was ist denn?? 

Text 24: Schiller, Das Lied von der Glocke (sofort abgebrochen)

Einen Moment Geduld bitte, Herr König ist sicherlich gleich soweit...... Nun ja, vielleicht sollten wir doch nicht das ganze Gedicht vortragen, aber die ersten Zeilen müssen einfach sein!: „Fest gemauert in der Erden steht die Form aus Lehm gebrannt. Heute muss die Glocke werden, frisch Gesellen, seid zur Hand. Von der Stirne heiß, rinnen muss der Schweiß.“ Genug, genug, wenden wir uns nun den Parodien zu. Vor 1841 erschien unter dem Kürzel A.H. eine poltische Parodie, „Die Freiheit der Presse“. Anonym erschien 1826 „Die Geburt des Menschen“ und Alexander Moszkowski erinnerte 1898 daran, was Schiller trotz aller Länge des Gedichtes vergessen hat.

Glockentöne, die immer wieder kommen

Text 25: A.H., Die Freiheit der Presse

Text 27: Moszkowski, Was Schiller vergessen hat


Moderation
Wir wollen nicht verhehlen, dass auch – man kann es nicht anders bezeichnen – Schweinigeleien bei Parodisten und ihren Lesern äußerst beliebt waren. Um 1840 erschien anonym, aber vermutlich war Ignaz Franz Castelli der Verfasser, die „Sauglocke“. Übrigens wurde Castelli bekannt durch patriotische Kriegslieder während der napoleonischen Kriege. Mit Rücksicht auf empfindsame Seelen tragen wir hier nur den ersten Teil der „Sauglocke“ vor, ergänzt durch ein ähnliches, ebenfalls anonym erschienenes Werk. 

Text 28: Castelli, Die Sauglocke

Musik: schwülstig

Text 29: Anonym, „Und herrlich ...“

Moderation
Nach Schiller „Siegesfest“ entstand 1905 anonym „Des deutschen Spießbürgers Schillerfest“. Selbstverständlich haben wir das Gedicht ausgewählt, ohne eine Ähnlichkeit mit heutigen Schillerfeiern zu behaupten.

Text 30: Anonym, Des deutschen Spießbürgers Schillerfest

Musik: Marsch (z.B. Badenweiler oder Bayerischer Defiliermarsch)

Moderation
Dieter Höss, Mitarbeiter der Satire-Zeitschrift „Pardon“, veröffentlichte Anfang der 70er Jahre ein Buch „An ihren Dramen sollt ihr sie erkennen“. Wir werfen einen Blick auf die fein beobachteten Kurzfassungen einiger Schillerdramen. 

Text 16: Höss, Räuber

Musik: 

Text 17: Höss, Kabale und Liebe

Musik:

Text 18: Höss, Maria Stuart

Musik: evtl. Mariechen saß weinend im Garten

Musik: Jodler

Text 19: Höss, Wilhelm Tell

Musik: Jodler

Moderation
Der folgende Text ist wieder von Alexander Moszkowski, der um 1900 einen bemerkenswerten Dialog zwischen Goethe und Schiller ersann.


Text 20: Moszkowski, Neueste Literaturballade


Moderation
Alle Mitwirkenden hoffen, dass wir Ihnen Lust und Laune an Schiller und seinen Parodisten ... entschuldige Klaus, ich wollte dich nicht unterbrechen...

Zugabe:

Text 33: Heinz Erhardt

Musik

Textauswahl: Edmund Frey

© Programmzusammenstellung und Konzept: Edmund Frey 2005, alle Rechte vorbehalten

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